Ankermanöver
Auf vielen Schiffen aktuellen Baudatums findet sich eine kombinierte Anker-/Verholwinde, da diese platzsparend ist und ein angemessenes Preis/Leistungs-Verhältnis bietet. Bei allen nachfolgend beschriebenen Vorgängen wird von einer solchen Winde ausgegangen, die zudem hydraulisch betrieben wird.
Die Kraft der Hydraulik wird mittels Welle und Kupplung auf das Getriebe der Ankerwinde übertragen, welches wiederum die Kettennuss der Ankerwinde antreibt, über die die Kette in die Kettenkästen, bzw. zum Ankerfallrohr geführt wird. Zum Sichern der Kette dienen drei Vorkehrungen. Eine Bandbremse, die direkt auf die Trommel wirkt. Ein Pall, das über bzw. zwischen die Kettenglieder gelegt wird. Und einen Drahtstropp, den man durch ein Kettenglied führt, an Deck befestigt und mittels Spannschraube anzieht.
Im Revier werden alle Laschings bis auf das Pall entfernt um im Notfall den Anker schnell fallen lassen zu können.
Die gesamte Kette besteht aus dem Anker selbst, dem Ankerschäkel, dem Kenterschäkel, der den Ankerschäkel mit der Kette verbindet, im Anschluss einem Warbel, der das Vertörnen der Kette verhindert und es ermöglicht den Anker sauber in der Klüse zu fahren und einer unterschiedlichen Anzahl von Kettenlängen. Jede Kettenlänge (eine Länge = ein Schäkel, etwa 27,5m) ist mit der Nächsten durch einen, dem Kenterschäkel sehr ähnlichem Schäkel verbunden.Diese Schäkel ermöglichen es die Kette zu teilen, ohne die einzelnen Kettenglieder zu zerstören.
Jede Kettenlänge ist markiert. Hierbei wird von der Ankerseite aus gezählt. Die Markierung erfolgt mittels Stahlbändern und Farbe. Die Bänder werden im entspr. Abstand zum jeweiligen Kenterschäkel im Kettenglied befestigt. Bei dem dritten Schäkel z.B. drei Kettenglieder in jede Richtung entfernt, bei dem Vierten vier, usw. Die Markierung mit Farbe geschieht, indem der Kenterschäkel rot und die Schäkel bis zur Bandmarkierung weiß gemarkt werden. So läßt sich durch einfaches Abzählen jederzeit der entspr. Schäkel identifizieren, sofern sichtbar.
Das andere Ende der Kette ist im Kettenkasten an einem Haken befestigt. Dieser Haken ist so angebracht, dass er von außerhalb des Kettenkastens zu lösen ist. So kann man im Notfall die Kette komplett ausrauschen lassen.
Sind alle Bremsen und Stopper entfernt, das Getriebe eingekuppelt und die Hydraulik eingeschaltet, so läßt sich die Kette langsam fieren oder einholen, je nach Bedarf.
Soll der Anker fallen gelassen werden, so werden alle Bremsen bis auf die Bandbremse entfent und das Getriebe eingekuppelt. Zur Kühlung wird die Klüsenspülung, die meist über die Feuerlöschpumpe läuft, eingeschaltet. Bei vielen Typen läuft hierüber auch die Kühlung des Hydraulik-Aggregats, dass ebenfalls eingeschaltet wird. Nun kann die Bandbremse gelöst werden und der Anker mittels Hydraulik langsam aus der Klüse gefiert werden. Dieser Vorgang wird Vorhieven genannt. Ist dies geschehen und der Anker steht knapp über der Wasseroberfläche, wird die Bandbremse angezogen und das Getriebe ausgekuppelt. Die Meldung „Anker klar zum Fallen“ wird an die Brücke gegeben und bei entspr. Kommando der Anker fallen gelassen. Dies geschieht, indem die Bandbremse gelöst wird und der Anker durch sein Eigengewicht und das der Kette fällt. Kurz vor erreichen des gewünschten Schäkels wird begonnen die Bandbremse langsam anzuziehen. Die Fallgeschwindigkeit des Ankers, bzw. der Kette wird so allmählichreduziert, so dass im gewünschten Moment das Ausrauschen der Kette gestoppt werden kann. Um ein Vertörnen der Kette zu vermeiden sollte das Schiff während des Manövers leichte Fahrt über Grund haben. Wenn möglich mit dem Heck voraus in Windrichtung bzw. mit dem Strom.
Während des Ankerns bleibt das Getriebe ausgekuppelt, um Schäden daran zu vermeiden!
Das Aufholen des Ankers geschieht, indem die Hydraulik eingeschaltet, das Getriebe eingekuppelt und die Bandbremse gelöst wird. Die ganze Kraft lastet nun auf der Hydraulik und es kann begonnen werden den Anker aufzuholen. Zur Unterstützung kann mit der Hauptmaschine schubweise leicht Voraus gegeben werden, um den Bug immer senkrecht über der Kette zu halten und so den Zug von der Kette zu nehmen. Während des Aufholens sollte die Kette gespült werden um ein zu starkes Verdrecken der Kettenkästen zu vermeiden.
Beim Ankern sind die Faktoren
- Windrichtung,
- Windstärke,
- Stromrichtung,
- Stromstärke,
- Schiffsgeschwindigkeit über Grund ,
- Kurs über Grund,
- Art des Ankergrundes,
- Art des Ankers (meist Patentanker),
- evtl. vorhandene Beschränkungen in Ausgewiesenen Reeden,
- Wassertiefe und
- zur Verfügung stehender Platz ausschlaggebend.
Das Manöver muss ihnen immer entsprechend angepasst werden.

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